UEFA Euro 2020

"Für Deutschland gegen Frankreich gab es 710.000 Ticketbestellungen"

Geschäftsführer der Fußball Arena München im Interview

"Für Deutschland gegen Frankreich gab es 710.000 Ticketbestellungen"

Arena München

In der Arena München finden bei der EURO 2020 die drei Vorrundenspiele der deutschen Mannschaft und ein Viertelfinale statt. allianzarena/b.ducke

In rund 100 Tagen startet die EURO 2020, in der Fußball Arena München geht es am 16. Juni mit dem Knüller Deutschland gegen Frankreich los. Wie groß ist bei Ihnen die Vorfreude?

Jürgen Muth: Die Vorfreude ist natürlich schon groß, allein wenn man an die WM 2006 zurückdenkt. Das war ein Turnier, dass das Arena Team unglaublich zusammengeschweißt hat. Für unser erstes Spiel bei der EURO 2020, Deutschland gegen Frankreich, gab es 710.000 Ticketbestellungen, die die Kapazität des Stadions um das fast Zehnfache überstiegen haben. Diese Nachfrage macht uns schon etwas stolz. Seit Anfang 2020 ist bei uns die EURO richtig im Fokus. Da hat die UEFA mit eigenem Personal das Stadion bezogen und wir stehen im täglichen Austausch.

Weltmeister Frankreich und Portugal mit Superstar Cristiano Ronaldo werden sich in der Gruppenphase in der Arena präsentieren. War die Auslosung ein Traumlos?

Ich durfte live bei der Auslosung in Bukarest dabei sein. Im ersten Moment gab es nicht überall Begeisterung, aber je länger der Abend gedauert hat, umso mehr waren wir davon überzeugt, dass es eine sehr gute Auslosung ist. So wird bereits in der Gruppenphase und sogar Wochen zuvor in der Stadt München, rund um die Arena und vor allem bei der Nationalmannschaft EURO-Stimmung aufkommen.

Erwarten Sie denn eine ähnlich großartige Stimmung wie bei der WM 2006?

2006 war schon etwas ganz Besonderes, denn die letzte Weltmeisterschaft zuvor im eigenen Land war 1974. Seit 2006 ist nicht ganz so viel Zeit vergangen. Vieles wird vom sportlichen Erfolg der Mannschaft abhängen. Wenn Deutschland durch die Gruppenphase kommt, wovon ich ausgehe, und dann in der K.-o.-Phase ähnliche Erfolge feiern kann, wie damals bei der WM 2006, dann habe ich schon große Hoffnung, dass dieser Funke wieder überspringt.

Hat sich denn für einen Fan, der 2006 WM-Spiele in München besucht hat und zur EURO 2020 wiederkommt, viel verändert?

Das Einzige, was ziemlich gleichgeblieben ist, ist der Beton. Alles andere wird den Besucher schon ein wenig überraschen. Auch dank der Investitionsbereitschaft des FC Bayern München als Gesellschafter hat sich die Arena stark weiterentwickelt. Wir haben den Anspruch, eine der modernsten Arenen der Welt zu sein und wollen das auch bleiben. Wir haben ein viel umfangreicheres Serviceangebot und sind viel flexibler geworden. Ich nenne nur einmal drei Schlagworte: Die großen Videowände, die konzerttaugliche Beschallung im Innenraum oder unsere WLAN-Technik. Die Fans werden positiv überrascht sein. Angefangen von den sanitären Anlagen über das gastronomische Angebot hat es in puncto Service starke Verbesserungen gegeben. Im Hospitality-Bereich sind wir schon längst auf einer Qualitätsstufe mit einem Top-Hotel oder einer Top-Gastronomie.

Bei schönem Wetter gibt es kein besseres Verkehrsmittel als das Fahrrad, um zu uns ins Stadion zu kommen.

Jürgen Muth

Inzwischen gibt es ja sogar Fahrradstellplätze.

Bei schönem Wetter gibt es kein besseres Verkehrsmittel als das Fahrrad, um zu uns ins Stadion zu kommen. Man kann durch die Isarauen und den Englischen Garten zu uns fahren. Wir haben am Stadion die Stellplatzkapazitäten für Fahrräder erheblich erweitert, aus meiner Sicht könnten noch viel mehr Besucher mit dem Fahrrad kommen. Die Kapazitäten dafür sind vorhanden.

Gibt es denn für die EURO spezielle Anforderungen an das Stadion?

Ein relativ großer Aufwand besteht rund um die Arena. Das sind Themen wie Mobilität und Sicherheit, die vor allem die Stadt München betreffen. Da geht es um Fanzonen und darum, wie die Fans ins Stadion kommen oder ob wir über den öffentlichen Nahverkehr hinaus Shuttle-Dienste anbieten. Wie binden wir den Olympiapark als einen zentralen Fan-Treffpunkt ein?

Allianz-Arena-Geschäftsführer Jürgen Muth

"Die Besucher werden positiv überrascht sein": Stadion-Geschäftsführer Jürgen Muth allianzarena

Wir haben das große Glück, dass das Stadion bereits gut gerüstet ist, hier wird sich nicht viel ändern. Das Thema Sicherheit steht natürlich im Vordergrund. Wir haben an Spieltagen 75.000 Menschen bei uns im Haus, das entspricht der Einwohnerzahl einer mittelgroßen Stadt. Dieser Verantwortung muss man sich stellen. Ein weiteres großes Thema ist die Mobilität. Es ist eindeutig unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass man vernünftig an- und auch wieder abreisen kann.

Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind große Themen unserer Zeit. Inwieweit liefert die Arena hier ihren Beitrag?

Nachhaltigkeit ist eines der Top-Themen, die wir jetzt schon lange auf der Agenda haben und ich gehe davon aus, dass das Thema in den kommenden Jahren noch größer wird. Ich nenne nur einmal vier Schlagworte - Mobilität, Energie, allgemeines Umweltbewusstsein und Abfallbeseitigung. Einer unserer Schritte war die Umstellung von einem Einweg- auf ein Mehrwegbechersystem. Das wurde nur einmal getestet und sehr schnell positiv aufgenommen. Wir haben jetzt eine eigene Photovoltaikanlage, weil wir endlich ein Dach bauen konnten, mit dem das möglich war. Und so werden in Zukunft noch mehr Themen kommen. Aktuell beschäftigen wir uns sehr stark mit dem Thema Elektromobilität, um auch dort eine Führungsrolle in Deutschland und Europa zu übernehmen. Da werden wir schon zum Sommer 2020 enorm aufrüsten.

Lohnt sich denn für den Fan auch an Nicht-Spieltagen ein Besuch?

Wir sind sehr froh, dass wir dank der UEFA den normalen Betrieb mit Ausnahme der Spieltage und jeweils einem Tag vor dem Spiel aufrechterhalten können. Das heißt, wir können Restaurants öffnen, aber auch das FC-Bayern-Museum mit einer eigenen EURO-Sonderausstellung und wir können auch die Arena-Touren beibehalten. Das ist keine Selbstverständlichkeit und wir sind sehr dankbar. So können die Fans auch während der EURO das Innenleben des Stadions kennenlernen.

Die Arena in München ist regelmäßiger Ausrichter von Top-Events. allianzarena/b.ducke

EURO 2020, Champions-League-Finale 2022, EURO 2024 - wie stolz sind Sie, dass Ihr Stadion regelmäßiger Ausrichter von Top-Events sein darf?

Wir als Arena wollen natürlich immer technisch als Veranstaltungsstätte ganz vorne mitspielen und wir sagen selbstbewusst, wir haben die letzten Jahre gezeigt, dass wir jede Veranstaltung in solchen Größenordnungen sicher stemmen können. Besonders stolz macht mich aber unsere ganze Mannschaft, ohne die das gar nicht möglich wäre.

Sehen Sie sich denn in Konkurrenz zu anderen großen Stadien?

Natürlich schaut man auf die anderen Stadien. Und wenn ein neues Stadion, wie das bei Tottenham Hotspur den Betrieb aufnimmt, kann ich es immer kaum erwarten, dass ich das Stadion besichtigen darf. Aber die Stadien sind untereinander nicht vergleichbar. Wir befinden uns nicht in einer Wettbewerbssituation, deswegen gehen wir sehr kollegial miteinander um und tauschen uns zu allen Themen aus.

Werden Sie bei all der Arbeit überhaupt Zeit haben, EURO-Spiele zu schauen?

Am Ende werde ich froh sein, wenn ich es schaffe. Aber das hängt natürlich alles davon ab, wie gut das Turnier organisiert ist und wie gut wir alle performen. Aber ich bin da sehr zuversichtlich, dass ich auch mal die Chance haben werden, Fußball zu schauen.

Interview: Markus Juchem

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